SCHULE FÜR ALLE – Das Recht auf Bildung kennt keine Ausnahme

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Unterstützen Sie die Kampagne der Landesflüchtlingsräte, dem BumF e.V. und Jugendlichen ohne Grenzen – unterstützt von der GEW und Pro Asyl

Die Kampagne unterstützen können Sie unter: http://kampagne-schule-fuer-alle.de/

Das neue Schuljahr hat begonnen, doch viele geflüchtete Kinder, Jugendliche und Heranwachsende sind außen vor. Für sie herrscht Lageralltag statt Schulalltag – obwohl sie seit Monaten, zum Teil schon über einem Jahr in Deutschland leben. Bundesweit sind zehntausende junge Menschen betroffen.

Es sind viele jüngere Kinder im Alter ab 6 Jahren betroffen, insbesondere wenn sie in Aufnahmeeinrichtungen leben, noch nicht auf Kommunen oder Bezirke verteilt wurden und daher in einigen Ländern nicht der Schulpflicht unterliegen. Aber insbesondere auch 16- bis 27jährige Flüchtlinge, unter ihnen viele, die als unbegleitete Minderjährige eingereist sind. Sie brauchen Zugang zur Schule, um eine Ausbildung oder ein Studium beginnen zu können, doch das Recht auf Bildung bleibt ihnen verwehrt. Sie warten vergeblich darauf, ihren im Herkunftsland begonnenen Bildungsweg fortzusetzen und auf ihre erste Schultüte.

Eine aktuelle Bestandsaufnahme der Landesflüchtlingsräte über den tatsächlichen Bildungszugang für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Deutschland belegt die strukturelle Ausgrenzung Zehntausender vom Lernort Schule. Lageberichte des Bundesfachverband umF, erstellt im Auftrag von UNICEF, zeigen, dass insbesondere Kinder in Erstaufnahmeeinrichtungen monatelang systematisch vom Regelschulbesuch ausgeschlossen werden. In vielen Bundesländern werden Personen aus sogenannten „sicheren Herkunftsländern“ langfristig oder dauerhaft in Aufnahmeeinrichtungen untergebracht. Sie erhalten, wenn überhaupt, einen Ersatzunterricht für wenige Stunden am Tag, eine Schule besuchen sie meist nicht.
Diese Praxis ist ein gleich mehrfacher Rechtsverstoß. Das Recht auf Bildung ist ein Grundrecht.

Es ist im Artikel 28 der UN-Kinderrechtskonvention, in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union und auch in Art. 14 der EU-Aufnahmerichtlinie (2013/33) festgeschrieben.

Wir fordern: Schule für alle ohne Ausnahmen.

  • Es müssen unverzüglich ausreichende Regelschulplätze für neu zugezogene schulpflichtige Kinder und Jugendliche zur Verfügung gestellt werden und dafür geeignete strukturelle und personelle Rahmenbedingungen geschaffen werden.
  • Die Umsetzung der Schulpflicht bzw. des Rechts auf diskriminierungsfreien Zugang zu Bildung ab dem ersten Tag, spätestens zwei Wochen nach Ankunft. Voraussetzung hierfür ist ein zügiges Ankommen von Neueinreisenden in Kommunen und Bezirke.
  • Der Zugang zu Bildungsangeboten muss passend zum Lern- und Bildungsstand der Kinder und Jugendlichen sowie ihren sonstigen Voraussetzungen gewährleistet werden.
  • Junge Menschen bis 27 Jahre brauchen flächendeckend und systematisch die Möglichkeit schulische Bildung und Abschlüsse nachzuholen – etwa über die Erweiterung der (Berufs-)Schulpflicht.
  • Die Bildungsförderung (BAföG und BAB) muss für alle Jugendliche und junge erwachsene Geflüchtete geöffnet werden.

 

Bildung ist Ländersache – die Landesregierung ist in der Pflicht.

Wir fordern darüber hinaus:

  • Schule für alle bedeutet Schule für alle in Sachsen-Anhalt lebende Kinder und Jugendliche. Es bedarf dafür ausreichender Kapazitäten in den Regelschulen. Das Recht auf Bildung als Grundrecht muss auch für Heranwachsende gelten, die in einer Erstaufnahmeeinrichtung leben müssen.
  • Die Kapazitäten der Sprachlernklassen müssen sich an den Bedarfen vor Ort orientieren. Darüber hinaus muss sicher gestellt werden, dass die entsprechenden Informationen in den Landkreisen, den Schulen und bei den Eltern ankommen.
  • Kindern und Jugendlichen muss die Teilnahme am regulären Unterricht und Schulalltag ermöglicht werden. (Sprach-)Patenschaften zwischen deutschen und nicht-deutschen Kindern müssen gefördert werden.
  • Es bedarf dringend Angebote der Hausaufgabenbetreuung und Unterstützung beim Lernen, vor allem in der Anfangsphase.
  • Den Schulen soll die Möglichkeit einer zeitweisen alternativen Leistungsbewertung gegeben werden. Das Kultusministerium und Landesschulamt müssen den Schulen entsprechende Informationen und Handlungsempfehlungen zur Verfügung stellen.
  • Ausreichende Weiterbildungsangebote für die Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen im Umgang mit Rassismus, dem Themenfeld Flucht und Asyl, zum interkulturellen Lernen und zum Umgang mit Traumatisierungen müssen umgehend geschaffen und beworben werden.
  • Der Zugang zu weiterführenden Schulen, beispielsweise Gymnasien, muss direkt ermöglicht werden. Maßgabe bei der Schulzuweisung darf nicht allein das Alter sein. Die Vorkenntnisse, Kompetenzen sowie Zielvorstellungen der Kinder und Jugendlichen müssen möglichst schon in der Erstaufnahmeeinrichtung festgestellt und berücksichtigt werden.
  • Auf die Lernerfolge und Entwicklung der jungen Menschen muss schnell und unkompliziert reagiert werden. Der Wechsel in eine weiterführende Regelschule muss unkompliziert ermöglicht und schnell umgesetzt werden.
  • Die Ungewissheit über die Zukunft, oder eine drohende Abschiebung können bei Kindern und Jugendlichen zu massivem Stress führen. Deswegen braucht es sichere Aufenthaltsperspektiven bis zum Abschluss des Bildungsgangs bzw. der Ausbildung und ein Verzicht auf Ausbildungs- und Studierverbotsauflagen durch Ausländerbehörden.
  • Es muss sicher gestellt werden, dass keine Kinder in sogenannten Gemeinschaftsunterkünften leben. Die Lebensbedingungen entsprechen keinem kindgerechten Lebensumfeld und erschweren zusätzlich ein konzentriertes Lernen.
  • Kein Sparzwang auf Kosten von Kindern und Jugendlichen.
  • Schule für alle – ohne Ausnahmen!

Die Kampagne unterstützen können Sie unter: http://kampagne-schule-fuer-alle.de/


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