Bürgerliches Engagement stoppt Abschiebung nach Dublin III Verfahren

[Regionalgruppe Kalbe von Bündnis 90/Die Grünen]

Es geht auch anders. Das bewies eine bürgerschaftliche Bewegung in Kalbe/Milde, die sich gegen die Abschiebung einer afghanischen Familie nach Bulgarien aussprach.

Familie Sahak ist vor ca. zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Zuvor hatte sie eine 13monatige beschwerliche Flucht aus Afghanistan hinter sich. Ihre Fluchtroute führte die Familie aus der Türkei über das Schwarze Meer nach Bulgarien. Hier wurde sie registriert und somit gilt für sie das Dublin-Abkommen.

Um dies zu verhindern hat Familie Sahak einen Anwalt aus Dessau Rosslau engagiert. Dieser sollte sich gegen die Dublin-Abschiebung einsetzen. Leider hat er, nachdem Bulgarien im Februar dieses Jahres signalisiert hat, dass die Aufnahme von Familie Sahak kein Problem ist, kaum gehandelt. Er hat es auch versäumt das BAMF darüber zu informieren, dass Frau Sahak schwanger ist und Ende Mai 2016 ihr drittes Kind erwartet. Am 16.05.16 ereilte die Familie eine Nachricht vom BAMF, dass sie eine Woche Zeit haben Argumente aufzuzeigen, welche eine Ablehnung der Abschiebung nach Bulgarien bestärken. Der Anwalt hat die Familie erst zwei Tage vor Fristablauf darüber informiert – es blieben also nur 24 Stunden um zu handeln.

Tief zerstört bat die Familie um Hilfe bei den Bürger_innen in Kalbe/Milde — und die bekam sie. Am Tag der Nachricht fand glücklicherweise eine Veranstaltung vom Flüchtlingsrat in Kooperation mit Miteinander e.V. statt. Hier wurde mit vielen engagierten Bürger_innen eine Strategie entwickelt, um eine Abschiebung zu verhindern. Hauptfokus lag zunächst auf der Ausstellung eines ärztlichen Attests, dass Frau Sahak sich bereits im Mutterschutz befindet und somit eine Abschiebung nicht möglich ist.

Im nächsten Schritt wurden Unterstützer_innen-Schreiben von verschiedensten Akteuren im Altmarkkreis gesammelt. Hierunter befanden sich auch der Bürgermeister der Stadt Kalbe, das Sozialamt, die Schule, versch. Arztpraxen und das Krankenhaus in Gardelegen und viele, viele mehr. Zum Schluss zählte die Familie Sahak 15 offizielle Unterstützer_innen-Schreiben.

Danach folgte die Idee die Unterstützung mit einem Foto zu belegen, auf welchem die Familie mit Freunden und Unterstützer_innen abgebildet wurde. Mittels einer WhatsApp-Aktion wurden so innerhalb von 24 Stunden 160 Unterstützer_innen zusammengerufen. Die Kinder des Hortes hatten spontan Plakate gemalt und riefen laut: „Tanwir und seine Familie sollen hier bleiben!“. Die Presse berichtete und es kamen aus allen Winkeln des Landkreises anerkennende Worte.

Dies alles wurde beim BAMF eingereicht und dies alles führte letztendlich zu einem guten Ende. Am 11. Mai 2016 informierte der Anwalt der Familie darüber, dass sie ihren Asylantrag in Deutschland stellen dürfen und das Dublin-Verfahren aufgehoben wird.

Cathleen Hoffmann
(Sprecherin der Regionalgruppe Kalbe von Bündnis 90/Die Grünen)

http://www.volksstimme.de/lokal/gardelegen/protest-demonstranten-unterstuetzen-familie


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