Pro Asyl: Gefangen in der Krise – Flüchtlinge in Griechenland

05.08.2015

Griechenland befindet sich in einer tiefen ökonomischen Krise. Gleichzeitig ist das Land konfrontiert mit der Ankunft von über 80.000 Bootsflüchtlingen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres.

Die Route über die türkisch-griechische Ägäis ist mittlerweile der Haupteinreiseweg für Schutzsuchende nach Europa. Die Menschen aus Syrien, Afghanistan und Irak stranden in einem Land, wo es noch nie ein funktionierendes Schutzsystem gab. Legale Möglichkeiten zur Weiterreise in andere EU-Staaten sind versperrt. Angesichts der aktuellen Ankünfte – oft 1.000 Flüchtlinge pro Tag – ist Griechenland selbst bei bestem Willen nicht in der Lage, ein Aufnahme- und Asylsystem bereitzustellen.
Es fehlt an allem: Unterkünfte, Nahrungsmittel, eine medizinische Basisversorgung für die Ankommenden. Das allgemeine Gesundheitssystem steht kurz vor dem Kollaps. Und vor allem: Es fehlt an einer zeitnahen Registrierung. Ohne sie können die Flüchtlinge nicht weiter – sie sind in der Krise gefangen. Erschütternde humanitäre Zustände sind die Folge.
Noch schlimmer als auf den Ägäischen Inseln ist die Situation im griechisch-mazedonischen Grenzgebiet. Völlig erschöpfte Männer, Frauen und Kinder – mehrheitlich aus Syrien und Afghanistan – schleppen sich durch das Land. Alte und kranke Menschen werden im Rollstuhl bei sengender Hitze die Straßen entlang geschoben. Ohne umfangreiche europäische Nothilfe droht eine Katastrophe.†

RSPA: Das PRO ASYL Projekt in Griechenland

Seit 2007 ist PRO ASYL in Griechenland aktiv. Zusammen mit Menschen vor Ort wurde ein Netzwerk für den Flüchtlingsschutz aufgebaut. Im Februar 2015 haben wir unsere Aktivitäten nochmals intensiviert. Anwältinnen, Dolmetscher, Sozialarbeiterinnen und Rechercheure – insgesamt zwölf Personen sind gegenwärtig in der Ägäis für unser „Refugee Support Program Aegean“ (RSPA) im Einsatz.
Vom 6. bis 13. Juli 2015 war ein PRO ASYL-Team vor Ort, um dort gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen zu besprechen, was aktuell zu tun ist. Europa muss endlich reagieren und legale Wege für die Flüchtlinge öffnen. Sie müssen die Möglichkeit erhalten, zu ihren Familienangehörigen und Communities in anderen EU-Ländern weiterzureisen. Solange die EU sich verweigert, appellieren wir an die internationalen Hilfsorganisationen, sich unverzüglich für das Überleben der Flüchtlinge im griechischen Transit einzusetzen.

Ergebnisse der Arbeit von PRO ASYL

– Bereits seit 2007 prangert PRO ASYL die menschenrechtswidrige Behandlung von Flüchtlingen in Griechenland an. 2011 stoppte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Abschiebungen nach Griechenland.
– Im November 2013 veröffentlichten wir den Bericht „Pushed back“ – eine Dokumentation über brutale völkerrechtswidrige Zurückweisungen im griechisch-türkischen Grenzgebiet, von denen mehr als 2.000 Flüchtlinge betroffen waren. Der Bericht erregte in ganz Europa großes Aufsehen. Zurzeit scheinen die illegalen Push-Backs in der Ägäis nicht mehr stattzufinden.
– Zumindest zeitweise konnte anscheinend der von PRO ASYL aktuell mitorganisierte Druck auf die griechischen Behörden etwas bewirken. Anfang Juli wurden auf Lesbos plötzlich für über tausend Flüchtlinge Papiere ausgestellt.
– PRO ASYL gelingt es immer wieder, für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge legale Ausreisen aus Griechenland zu ermöglichen. Dies sind jedoch Einzelfälle – eine wirkliche Lösung der griechischen und europaweiten Flüchtlingskrise kann nur durch eine solidarische Flüchtlingsaufnahme in Europa erreicht werden. PRO ASYL setzt sich dafür auf allen Ebenen ein. Dabei setzen wir auf Ihre Hilfe. Bitte unterstützen Sie den Einsatz von PRO ASYL für eine gerechte und humane europäische Flüchtlingspolitik.

Informationen hier: http://www.proasyl.de/de/home/hilfe-fuer-fluechtlinge-in-griechenland/


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