PM: Unzumutbare Zustände – Menschenunwürdige Unterbringungs- und Lebenssituation in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber*innen (ZASt) in Halberstadt

Pressemitteilung, 23.07.2015

Unzumutbare Zustände –
Menschenunwürdige Unterbringungs- und Lebenssituation in der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber*innen (ZASt) in Halberstadt

Auf dem Gelände der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber*innen (ZASt) in Halberstadt werden derzeit Geflüchtete im Speisesaal und in der Turnhalle, als auch in einer Turnhalle innerhalb der Stadt und in einer 40 km entfernten Jugendherberge untergebracht. Für das Wochenende sind auf dem Gelände der ZASt zusätzlich Zelte für die Unterbringung der neu ankommenden Geflüchteten geplant.
Die aktuelle Unterbringungssituation ist nicht hinnehmbar, auch nicht als sogenannte Übergangslösung“, kritisiert Christine Bölian, die Sprecher*in des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt. „Sanitäranlagen, Betten, Gesundheitsversorgung, Privatsphäre müssen abgesichert sein. Es bedarf schneller und konkreter Lösungen für die Menschen!“

Situation auf dem Gelände der ZASt
In der Turnhalle auf dem Gelände der ZASt stehen momentan weder ausreichend Sanitäranlagen, noch Betten und Matratzen zur Verfügung. Mehrere Personen sind seit mindestens sechs Tagen dort untergebracht, darunter auch eine schwangere Frau und Familien mit Kleinkindern. Es gibt kaum Betten in der Turnhalle. Die meisten Menschen schlafen auf Matratzen oder sogar nur auf einer Decke. In der Turnhalle sind für mindestens 80 Personen vier Toiletten und keine Duschen vorgesehen. „Die sanitäre Infrastruktur und hygienischen Zustände sind unzumutbar,“ so die Sprecher*in des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt „Die Situation vor Ort zeigt, dass es sich hierbei nicht um eine Notlösung handelt, wie von Seiten des Innenministeriums vermittelt wurde.“
Aktuell steht nicht ausreichend Betreuungspersonal vor Ort zur Verfügung und die Sozialarbeiter*innen, sowie die Verwaltungskräfte sind überlastet. Es gibt ebenfalls momentan keine Krankenschwester auf dem Gelände der ZASt. Der Arzt im dortigen Gesundheitsamt kann die täglichen Neuzugänge von ca. 100 Personen pro Tag nicht entsprechend der Bedarfe untersuchen. Die Leitung der ZASt stößt angesichts dieser Gegebenheiten an ihre Grenzen. „Die Abläufe innerhalb der ZASt sind derart aus den Fugen geraten, dass die Unterbringung momentan nicht mehr zu verantworten ist, betont die Sprecher*in des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt. „Die Wahrung der Menschenrechte wird hier nicht mehr gewährleistet. Die Zustände sind nicht tragbar.“

Turnhalle in Halberstadt
Die Turnhalle innerhalb von Halberstadt steht aktuell im Fokus von rassistisch motivierten Angriffen, die mutmaßlich der organisierten Neonaziszene zuzuordnen sind. „Der Schutz der Geflüchteten muss im Fokus der Verantwortlichen stehen. Für die Menschen, die teilweise aus Kriegsgebieten kommen und teilweise traumatisiert sind, muss eine sichere Unterbringungssituation geschaffen werden,“ fordert die Sprecher*in des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt.

Wohncontainer
Laut Pressemitteilung der Staatskanzlei vom 12. Mai 2015 sollten bereits seit Mitte Juni 2015 in Wohncontainern auf dem Gelände der ZASt 88 Schlafplätze geschaffen werden. Diese sind bis zum heutigen Tag noch nicht bezugsfertig.
Es fehlt dem Land an realistischen Konzepten zur konkreten und direkten Intervention in dieser schwerwiegenden Lage“, kritisiert die Sprecher*in des Flüchtlingsrates Sachsen-Anhalt. „Menschen fliehen aus Kriegsregionen, sind teilweise schwer traumatisiert und brauchen dringend Schutz und Ruhe.“

Pressekontakt: Christine Bölian | Tel.: 0391/5371281 | 0157/73116732

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