Spendenaufruf für das Watch The Med Alarm Phone


Ein Notruftelefon bietet seit über sechs Monaten Unterstützung für Flüchtlinge und MigrantInnen in Seenot. Das Projekt dokumentiert die SOS-Rufe und versucht sofort, bei den Verantwortlichen Druck zu machen, damit gerettet wird, wo immer das möglich ist.
12. April 2015: Um 7:40 Uhr erreicht ein erster SOS-Ruf das Alarm-Phone. Er kommt aus dem Zentralen Mittelmeer. Bis zum späten Nachmittag stehen die Schichtteams via Satellitentelefon mit Flüchtlingen auf insgesamt neun Booten in Verbindung. GPS-Daten werden aufgenommen und aktualisiert und sofort an die Küstenwachen weitergeleitet. Kontakt mit den Betroffenen halten, sie regelmäßig informieren, beruhigen, ermutigen. Vor allem: bei den Küstenwachen solange nachhaken und Druck machen, bis die Rettung bestätigt ist. Das klappt an diesem Tag letztlich bei allen neun Booten, doch solch einen Grosseinsatz hatte es für das transnationale Unterstützungsprojekt zuvor nicht gegeben.
Bereits seit Oktober 2014 ist das Alarm Phone rund um die Uhr erreichbar. Über ein selbstorganisiertes Callcenter koordinieren die rund 100 ehrenamtlich Aktiven ihre Telefondienste. Sie kommen aus Europa und Nordafrika und engagieren sich großteils seit Jahren an den Außengrenzen der EU. Sie haben sich mit Handbüchern geschult, an interaktiven geographischen Karten geübt und Alarmpläne ausgearbeitet. Über den Winter kam es im Durchschnitt einmal wöchentlich zum ernsthaften Einsatz, in den letzten Wochen wurden es stetig mehr: mit Notrufen auch aus dem westlichen Mittelmeer sowie aus der Ägäis.
In Marokko lassen sich die scharfen Zäune der spanischen Enklaven immer schwieriger überwinden, zudem wurden nun direkte Rückschiebungen legalisiert. Vermehrt steigen deshalb auch hier die Betroffenen in Boote, um nach Spanien zu gelangen.
Aktuell versuchen täglich Hunderte von Flüchtlingen, über die Türkei die griechischen Inseln zu erreichen. Die griechische Küstenwache ist seit Jahren für illegale Push-Backs bekannt. Flüchtlingsboote werden systematisch in türkische Gewässer zurückgezogen. Die neue Syriza-Regierung hat offensichtlich Anweisung gegeben, diese Menschenrechtsverletzungen zu stoppen. Der Alarm der Hotline ist nun umso wichtiger, wenn sich nicht daran gehalten wird.
Über 1700 Opfer des EU-Grenzregime sind für 2015 bereits zu beklagen, die meisten im zentralen Mittelmeer, nicht zuletzt weil dort auf Drängen der mitteleuropäischen Regierungen die Seenotrettung systematisch reduziert wurde. Es steht zu befürchten, dass es zu noch weitaus mehr Toten kommt, wenn kein grundlegender Wandel eingeleitet wird. Die verantwortlichen PolitikerInnen halten erbittert an ihrer brutalen Abschottungspolitik fest und wollen die Migrationskontrolle in die Transitländer vorverlagern. Dagegen fordert das Alarm Phone sichere und legale Einreisemöglichkeiten und mit „Fähren statt Frontex“, das Sterben auf See wirklich zu beenden. Gleichzeitig bedarf es dringend weiter der alltäglichen Unterstützung mit Interventionen in Echtzeit, wenn Bootsflüchtlinge in Seenot geraten.
Vor diesem Hintergrund bittet das Alarm Phone-Projekt um Unterstützung:
– um das Telefonsystem zu betreiben, um Satellitentelefone der Boatpeople anzurufen und diese online mit Guthaben aufzuladen;
– um mittels mehrsprachigen Visitenkarten die Notrufnummer in den migrantischen Communities zu verbreiten;
– um Informationsflyer zu den Risiken auf See zu verteilen;
– um Kampagnenmaterial gegen Frontex und das Grenzregime zu erstellen;
– um Kontakt- und Recherchereisen in die verschiedenen Transitregionen zu unternehmen.
Alle Spenden sind steuerlich absetzbar.
Regelmäßige Berichte des Alarm Phones auf:
Weitere Informationen und Materialien:
Spendenkonto:
Forschungsgesellschaft Flucht & Migration
Sparkasse der Stadt Berlin
Kto.-Nr.: 61 00 24 264
IBAN: DE68 10050000 0610024264
BIC: BELADEBEXXX
Stichwort: WatchTheMed-AP

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