16.09. PM Zurückgekehrte Flüchtlingsfamilie Haji aus Magdeburg steht vor erneuter Abschiebung nach Italien

Ein riesengroßes DANKESCHÖN
Unterstützer*innenkreis der Familie Haji


Magdeburg, 23. Sep. 2014
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Ein riesengroßes DANKESCHÖN an alle Helfer*innen, Spender*innen und Anteilnehmenden! Eure Hilfe und Spendenfreudigkeit macht uns gerade echt sprachlos… Wenn wir es jetzt noch schaffen, ein Kirchenasyl zu organisieren, dann sind wir einen großen Schritt weiter! Sollten sie eine Gemeinde kennen, die Erfahrung hat mit Kirchenasyl und bereit wäre, die Familie aufzunehmen, dann melden sie sich bitte via support_family_haji@riseup.net. Die Zeit rennt uns davon…
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Spendenaufruf
des Unterstützer*innenkreises der Familie Haji
+++ Familie Haji steht wieder vor der Abschiebung +++ Die Behörden ignorieren erneut außergewö…hnliche humanitäre Gründe +++ Die Familie sucht nun bundesweit nach Kirchenasyl +++ Unterstützer*innen bitten um Spenden für die Familie +++
Magdeburg, 16.09.2014 Am 9. September erhielt Familie Haji aus Magdeburg den Ablehnungsbescheid ihres Asylfolgeantrags und die damit verbundene Anordnung der Abschiebung nach Italien. Der Fall der Familie hatte bereits im Juni 2014 in Magdeburg für reges Aufsehen gesorgt. Damals wurde die Familie trotz schwerer psychischer Erkrankung der Mutter, trotz einer Petition mit nunmehr 15.588 Unterschriften, trotz politischer Fürsprecher und breiter Unterstützung in der Bevölkerung nach Italien abgeschoben. Zwei Tage vor der Übergabe der Petition im Innenministerium wurde die Familie ohne terminliche Ankündigung aus ihrer Unterkunft geholt und nach Berlin gebracht. Ein Eilantrag der Anwältin der Familie wurde abgelehnt – zwei Minuten bevor das Flugzeug nach Rom startete. Interessanterweise wurde die Familie ohne jegliche Ausweisdokumente in den Flieger gesetzt. In Rom erklärten Grenzschutzpolizisten der Familie, dass alle Unterkünfte voll und sie nun auf sich allein gestellt seien. Die ersten Nächte verbrachte die Familie am Bahnhof Termini in Rom. Ein Lokführer hatte ihnen aus Mitgefühl ein Zugabteil als Schlafplatz zur Verfügung gestellt. Der Vater der Familie verkaufte einige Habseligkeiten, um Essen organisieren zu können. Es mutet wie ein Wunder an, denn wenig später bezahlte eine unbekannte Frau der Familie Zugtickets, um nach Deutschland zurück zu fahren. In Deutschland angekommen, stellte die Familie einen Asylfolgeantrag und lebt seit Juli wieder in Magdeburg.

Nun schaut der Vater fassungslos auf das Schreiben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), in dem erklärt wird, dass die Familie sich nicht ausreichend an die italienischen Behörden gewandt hätte, um eine Unterbringung zu ergattern. Die erneute Ablehnung des Antrags begründet das Bundesamt damit, dass „systemische Mängel im italienischen Asylverfahren nicht ersichtlich sind“. Die von der Familie beschriebenen Umstände in Italien widersprechen diesem Schreiben. Sie decken sich dafür mit Aussagen von ProAsyl. Das italienische Aufnahmesystem ist völlig überlastet – es stehen lediglich 14.000 Unterbringungsplätze zur Verfügung und das bei 50.000 Asylsuchenden (Zahlen von August 2014). Die meisten Flüchtlinge in Rom sind entweder obdachlos oder übernachten in den zahlreichen besetzten Häusern in der Stadtperipherie (Bsp.: das besetzte Bürogebäude im Stadtteil Romanina, oder die besetzte somalische Botschaft). Diese Häuser besitzen keine Küchen oder hygienische Standards, geschweige denn einen Schutzraum für Familien. Ein staatliches Sozialsystem, welches den Flüchtlingen zur Verfügung stehen könnte, existiert nicht. Die meisten sind also ohne Arbeit und Wohnraum. Die Behauptung des deutschen Bundesamtes, jede*r Asylbewerber*in in Italien hätte Zugang zum Gesundheitssystem, ist eine leere Phrase. Denn eine Krankenversicherungskarte kann man erst mit der Angabe eines festen Wohnsitzes beantragen. Somit sind per se alle wohnungslosen Asylbewerber*innen vom Gesundheitssystem ausgeschlossen.
Aufgrund dieser unhaltbaren Zustände in Italien gab und gibt es etliche Aussetzungsbeschlüsse von deutschen Verwaltungsgerichten, wonach Abschiebungen nach Italien nicht vollzogen werden konnten. Wann dies im Magdeburger Gericht endlich Resonanz findet, ist fraglich. Die Familie ist erschöpft und desillusioniert – sie hat einen langen Weg hinter sich. Ihre Flucht dauert nun schon mehrere Jahre an; ihre Hoffnung auf ein Zuhause wurde regelmäßig von deutschen Ämtern, italienischen Zuständen und europäischen Verordnungen zerstört. Ihre einzige Chance liegt nun im Kirchenasyl. Wenn eine Gemeinde in Deutschland bereit ist, die vierköpfige Familie für einige Monate aufzunehmen, wäre Deutschland für den Asylantrag der Familie zuständig und nicht Italien.
Die Familie und die Unterstützer*innen bitten daher alle Menschen um Hilfe und Spenden, um die Familie in einem Kirchenasyl unterbringen zu können.
Und wiedereinmal drängt die Zeit…
Spendenkonto
Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V.
Sparda Bank Berlin

IBAN: DE25 1209 6597 0008 4462 70
BIC: GENODEF1S10

Kontonr.: 8446270
BLZ 120 96597
Verwendungszweck: Familie Haji
Header Spende_Haji
Petition: „https://www.change.org/p/innenminister-holger-stahlknecht-keine-abschiebung-zur%C3%BCck-ins-elend-gebt-familie-haji-ein-zuhause“ (Diese Seite ist mittlerweile leider nicht mehr verfügbar)

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