Pressemitteilung 28.9.2012 zum Tag des Flüchtlings

Pressemitteilung 28.09.2012 zum Tag des Flüchtlings

Zustände in Bernburg aufklären und Konsequenzen ziehen, fordert der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt

Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V. begrüßt die gemeinsame Erklärung der AWO-Verbände, menschenwürdige Unterbringung in Form von dezentraler Unterbringung für Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt und insbesondere in Bernburg einzuführen. Bedauerlich ist allerdings, dass erst öffentliches Interesse und Medienberichte den Ortsverband der AWO im Salzlandkreis dazu bewegen konnten, die mangelhaften hygienischen Zustände und weiteren Missstände in der Sammelunterkunft in Bernburg einzugestehen. Die Ungezieferplage sowie beengte Wohnzustände und mangelhafte Privatsphäre in den sanitären Anlagen waren seit langem von Bewohnerinnen und Bewohnern beklagt worden. Eine entsprechende Behebung der Mängel durch den Heimbetreiber fand nicht statt. Darüber hinaus fiel die Ungezieferbeseitigung ergebnislos aus, während die Flüchtlinge nach dem Besuch des Kammerjägers wieder unmittelbar in die Wohnräume zurückkehren mussten.

In seiner Pressemitteilung vom 3.9.2012 hat der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt auf diesen Missstand hingewiesen und eine sofortige sowie nachhaltige Beseitigung der hygienischen Mängel gefordert. Angesichts der katastrophalen Zustände schließt sich der Flüchtlingsrat der Forderung nach einer sofortigen Schließung des Heims in Bernburg, Teichweg, an. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen in dezentralen Wohnungen untergebracht werden. Einige der Flüchtlinge leben seit mehr als zehn Jahren in der Sammelunterkunft in Bernburg. Ein menschenwürdiges Leben ist dauerhaft in Sammelunterkünften nicht möglich. Angesichts des Leerstands in Sachsen-Anhalt steht einer Unterbringung in Wohnungen daher nichts im Wege.

Gleichzeitig weist der Flüchtlingsrat ausdrücklich den Vorwurf des Betreibers und der Verwaltung zurück, dass die Misere in Bernburg von den Flüchtlingen selbst verursacht wurde. Diese Stigmatisierung der Bewohnerinnen und Bewohner lenkt von der Verantwortung der Heimbetreiber und des Landkreises ab, trägt aber zur Ausgrenzung der Bewohnerinnen und Bewohner bei und schürt die Vorurteile in der Bevölkerung.

Dem Flüchtlingsrat liegen Informationen vor, dass im Zusammenhang mit weiteren Medienbesuchen in Bernburg einige Verschönerungsmaßnahmen im Sanitärbereich stattfanden sowie ein sogenannter Gemeinschaftsraum eingerichtet und vorgeführt wurde, der ansonsten nicht den Flüchtlingen zur Verfügung steht und bereits wieder verschlossen ist. Darüber hinaus wurden einige Bewohnerinnen und Bewohner von der Heimleitung unter Druck gesetzt, weil sie sich über die Zustände beklagt hatten und zu Pressegesprächen bereit gewesen waren.

Der Flüchtlingsrat hält dieses Vorgehen für unannehmbar und menschenunwürdig. „Die Vorgänge in Bernburg müssen aufgeklärt werden. Ein doppelter Diskurs des Betreibers in der Öffentlichkeit und gegenüber den Flüchtlingen hat aufzuhören“, erklärt Vorstandsvorsitzender des Flüchtlingsrats, RA Dr.Christoph Kunz.

Kontakt: Françoise Greve


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