Drei Verletzte bei der Demonstration zum 7. Todestag von Oury Jalloh in Dessau

Die Demonstration am 07.01.2012 in Dessau anlässlich des 7. Todestages von Oury Jalloh wurde von einem unverhältnismäßig harten Vorgehen der Polizei – in Form von körperlicher Gewalt – überschattet.



Das Resümee der diesjährigen Demonstration: Drei Verletzte, die wegen der körperlichen Angriffe einiger PolizistInnen ärztlich behandelt werden mussten. Darunter auch Mouctar Bah, Versammlungsleiter sowie Freund des Verstorbenen Oury Jalloh und Begründer der Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh. Er verlor das Bewusstsein, das er erst im Krankenhaus wieder erlangte.

Mehrere DemonstrationsteilnehmerInnen berichteten gegenüber dem Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V. übereinstimmend von ihrem Eindruck, dass die Polizei gezielt Mouctar Bah und andere HauptakteurInnen der Initiative Oury Jalloh angriff.

Bereits im Vorfeld der Demonstration sorgte die Aussage der Polizei, Ausrufe und Transparente mit dem Aufdruck „Oury Jalloh – das war Mord“ als Straftat zu werten, für Konflikte.
Es kam zu Handgreiflichkeiten, als die Polizei die Transparente mit dem Aufdruck „Oury Jalloh – das war Mord“ gegen Ende der Demonstration beschlagnahmte. Die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahme wird nun von verschiedenen Initiativen und Organisationen sowie Medien angezweifelt. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur dpa am Montag: „Ich hätte als Jurist die Entscheidung nicht so getroffen“.

Bianka Mopita, Mitarbeiterin des Flüchtlingsrates Sachsen- Anhalt e.V.:
„Für viele Menschen in Deutschland hat der Fall Oury Jalloh das Vertrauen in die Polizei schwer erschüttert. Die heutigen Vorfälle zerstören die jahrelange Aufbauarbeit des Vertrauens von zahlreichen AkteurInnen und lassen uns sprachlos zurück. Nun ist es Aufgabe der Gerichte und der Politik, das Vertrauen durch eine konsequente Aufklärung des Vorfalls wiederaufzubauen.
Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt e.V. fordert eine konsequente und nachhaltige Aufklärung der unverhältnismäßigen Polizeigewalt gegen die DemonstrationsteilnehmerInnen und AktivistInnen und eine diesbezügliche Darstellung der Verantwortlichkeiten.“

Oury Jalloh war am 07. Januar 2005 unter ungeklärten Umständen in einer Gewahrsamszelle der Polizei in Dessau durch Verbrennung zu Tode gekommen. Bei der nun schon über fünf Jahre dauernden juristischen Aufarbeitung der Umstände des Todes von Oury Jalloh, fehlte sein Freund Mouctar Bah heute erstmalig beim Prozesstermin.
Er liegt noch immer im Krankenhaus.


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