Abschiebekrimi am Flughafen München: Aktivisten verhindern Überstellung nach Malta

München. AktivistInnen der Karawane München, des Bayerischen Flüchtlingsrates, der antifa.nt und vom Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main haben in letzter Sekunde die Abschiebung des somalischen Flüchtlings Abdilahi Mohamed nach Malta verhindert.

(Foto: Rahman MM)

Auf Malta hatte er sich nach einer traumatisierenden Überfahrt, bei der ein guter Freund von ihm ertrank, ein Jahr lang unter katastrophalen Bedingungen in Haft befunden, bevor er nach Deutschland weiterfloh.

 

Sowohl am Flughafen München als auch bei der Niederlassung von Air Malta in Frankfurt fanden zeitgleich Protestaktionen statt. Air Malta signalisierte der Bundespolizei, dass sie Abdilahi Mohamed aus Gründen der Flugsicherheit nicht mitnehmen werden. Doch die Bundespolizei gab nicht auf: Per Lautsprecherdurchsage wurde Passagieren 250 Euro für Flugumbuchungen geboten, um weitere Sitze für die Bundespolizei buchen und damit die Sicherbedenken der Airline ausräumen zu können. Nachdem Passagiere gegen die Abschiebung in ihrem Ferienflieger protestierten, entschied am Ende der Pilot: Abdilahi Mohamed wird doch nicht mitgenommen.

*10:00 Uhr* Vor der Air Malta Niederlassung in Frankfurt startet eine Protestkundgebung, AktivistInnen betreten das Gebäude um über die Abschiebung zu verhandeln. Die Gespräche ziehen sich bis 12:40 Uhr.
*11:15 Uhr* Am Flughafen München im Check-In Bereich des Terminal 2 startet eine Protestaktion. Flugblätter werden verteilt, Parolen gegen Abschiebungen gerufen und Transparente, u.a. mit der Aufschrift „Unsere Münchner Freiheit: Nonstop zu Abschiebeflügen weltweit“ entrollt
*11:50 Uhr* Durchsage am Flughafen München: „Aufgrund der aktuellen Buchungslage“ wird Passagieren 250 Euro geboten, die ihren Platz in dem Flieger der Bundespolizei zur Verfügung stellen und einen Umweg fliegen.
*12:18 Uhr* Passagiere protestieren gegen die Abschiebung in ihrem Ferienflieger und fordern ein Gespräch mit dem Piloten der Air Malta Maschine.
*12:40 Uhr* Die Maschine startet mit Flugziel Malta.
*12:42 Uhr* Wir erhalten einen Anruf von Air Malta: Das Ticket für Abdilahi Mohamed wurde storniert. Auch die Bundespolizei bestätigt dies kurze Zeit später.
*13:01 Uhr* Ein Aktivist bekommt ein Hausverbot und wird von der Flughafenpolizei zum S-Bahnhof eskortiert.
*13:29 Uhr* Der Kirchliche Dienst am Münchner Flughafen holt Abdilahi Mohamed von der Bundespolizei ab und übergibt ihn an den Bayerischen Flüchtlingsrat.

Marc Speer vom Bayerischen Flüchtlingsrat sagt dazu: /„Wir haben heute einen Krimi erlebt. Bis zur letzten Sekunde war nicht klar, ob Abdilahi Mohamed abgeschoben wird. Jetzt sind wir einfach nur erleichtert, dass wir die Abschiebung stoppen konnten.“/

Am Samstag findet am Flughafen München eine Demonstration gegen die dort stattfindenden Abschiebungen statt zu der verschiedene Initiativen und Organisationen aufrufen.


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